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Wenn der Rücken mehr erzählt – die Segmentmassage

Wenn der Rücken mehr erzählt – die Segmentmassage

Wie Organe, Nervensystem und Körperregionen miteinander verbunden sind – warum sich innere Vorgänge auch in Haut, Muskulatur und Gewebe widerspiegeln können und wie die Segmentmassage diese Zusammenhänge nutzt

Unser Nervensystem ist das Kommunikationsnetz unseres Körpers. Wenn es im Magen zwickt, die Lunge schwer atmet oder der Kopf schmerzt, kann das über nervale Zusammenhänge Spuren am Rücken hinterlassen.
Die Segmentmassage, eine spezielle Form der medizinischen Massage, die auf den neuroanatomischen Grundlagen unseres Körpers basiert, nutzt die Nervenverbindungen zwischen der Haut, der Muskulatur und den inneren Organen, um gezielt Beschwerden zu lindern.
Dabei werden Bereiche am Rücken behandelt, die über das Nervensystem mit bestimmten Muskeln und inneren Organen verbunden sind.

Ein kurzer Blick hinter die Kulissen

Unser embryonales Bindegewebe, der Ursprung aller Gewebearten, bildet im Laufe der Entwicklung im Mutterleib zusammenpassende Abschnitte, welche untereinander in Wechselwirkung stehen.
Und genau hier liegt das spannende Prinzip dieser Methode: Die Segmentierung unseres Körpers

Vereinfacht gesagt ist ein Segment ein zusammengehöriger Körperabschnitt mit einer gemeinsamen Nervenverbindung zum Rückenmark.
Zu jedem dieser Bindegewebsabschnitte wächst ein ganz bestimmter Rückenmarksnerv (Spinalnerv) hinein. Bildlich vorgestellt wie ein Kabelnetzwerk, wo bestimmte Körperregionen über die Nervenversorgung einem bestimmten Abschnitt des Rückenmarks zugeordnet sind.

In einem solchen Segment stehen fünf Bereiche über das Nervensystem in enger  Verbindung miteinander:

  • Außen das Bindegewebe & die Haut
  • In der Mitte die Muskeln
  • Innen die Knochen & Gelenke
  • Tief drinnen das innere Organ
  • Die Versorgung: die Blut- und Lymphgefäße, die alle oben genannten Schichten (von außen bis tief drinnen) mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen

Weil all diese Schichten an demselben Nervenkabel hängen, entsteht eine Standleitung ins Rückenmark. Passiert jetzt im tiefen Inneren etwas – hat zum Beispiel der Magen Stress, leitet das Nervenkabel dieses Signal hoch zum Rückenmark.

Das Ergebnis:
Das Gehirn schaltet auf Alarm, und als Folge können Muskeln mit erhöhter Spannung reagieren. Haut und Bindegewebe können empfindlicher werden, die Gewebespannung kann sich verändern und selbst Berührungen können plötzlich als unangenehm oder schmerzhaft empfunden werden. Die Beschwerden, die wir an der Körperoberfläche wahrnehmen, müssen ihren Ursprung daher nicht immer genau dort haben, wo wir sie spüren.

Und genau hier setzt die Segmentmassage an
Hier werden diese Verbindungen gezielt durch spezielle Griffe, Striche und Druckreize auf der Haut genutzt und die gesetzten Reize die über das Nervensystem verarbeitet werden.
Dadurch können Muskel- und Gewebespannungen nachlassen, die Regulation der Gefäße kann beeinflusst und die lokale Durchblutung gefördert werden.
Vereinfacht gesagt bekommt das verbundene Segment das Signal: „Du darfst loslassen und dich entspannen.“

Vom Kopf bis zum Unterleib: Wo die Segmentmassage hilft

Weil dieses Nervennetzwerk den gesamten Oberkörper durchzieht, wird diese Art von Massage – je nach Beschwerdebild und medizinischer Indikation – in verschiedenen Bereichen eingesetzt wie beispielsweise:

  • Kopfschmerzen & Migräne: die Reizweiterleitung zum Kopf wird durch das Lösen von segmentalen Blockaden im Nacken- und Schulterbereich beruhigt – der Schmerz lässt nach
  • Herz & Kreislauf: Sanfte Reize können auf das vegetative Nervensystem einwirken und so zu allgemeiner Entspannung und Regulation beitragen
  • Lunge & Atmung: Entspannung der Atemmuskulatur wodurch das Atmen spürbar leichter fällt
  • Magen & Verdauung: Reflexzonen am Rücken stehen über das Nervensystem mit dem Magen-Darm-Trakt in Verbindung. Diese Verbindung nutzt die Segmentmassage, um Entspannung und Regulation anzuregen und funktionelle Verdauungsbeschwerden positiv zu beeinflussen
  • Unterleib & Becken: Auch bei bestimmten funktionellen Beschwerden und Menstruationsbeschwerden kann die Segmentmassage begleitend eingesetzt werden, um Spannungszustände zu beeinflussen und Entspannung zu fördern

Autor: Nicole Gössl